Jens Krüger

Amiga 2000 Revisionen bestimmen

Eine praktische Einordnung von A1500, A2000, A2000HD, A2500 und den wichtigsten Board-Revisionen.

Bestimmungshilfe

So erkennt man seine Amiga-2000-Revision.

Beim Amiga 2000 ist der Name auf dem Gehäuse nur der Anfang. 1500, 2000, 2000 HD, 2500 und 2500/UX sind im Kern Varianten derselben Rechnerfamilie. Entscheidend für Reparatur, Kompatibilität und Einordnung ist vor allem die Hauptplatine.

Diese Seite ist als Arbeitsnotiz und Schnellhilfe gedacht. Erste Fotos zu Braunschweiger-, Rev.-4- und Rev.-6-Boards sowie zu typischen Akkuschäden sind bereits ergänzt; weitere Detailpunkte folgen noch.

Amiga 2000 Amiga 1500 Amiga 2500 A2000 ("Braunschweiger") B2000-CR Rev. 4 / Rev. 6
Kurzüberblick
Außen
Braunschweigern fehlt Mono-Video; bei meinen B2000-CR: Rev. 4 rot/weiß/gelb, Rev. 6 schwarz/weiß/gelb
Innen
B2000-CR: PCB-Beschriftung vorne links, DRAMs vorne rechts zählen
Achtung
Akkus sofort prüfen: Lauge arbeitet weiter, auch wenn der Rechner noch läuft
Stand: Juni 2026, Fotos werden ergänzt.

Schnelltest

Erst von außen einordnen, dann am geöffneten Rechner die Revision bestimmen.

Cinch-Buchsen zählen

Zwei Cinch-Buchsen hinten bedeuten garantiert: frühes „Braunschweiger“ A2000-Modell. Drei Cinch-Buchsen bedeuten garantiert: B2000-CR. Bei drei Buchsen deuten rot, weiß und gelb nach meiner Erfahrung auf Rev. 4.x, schwarz, weiß und gelb auf Rev. 6.x. Für die genaue Revision muss der Rechner geöffnet werden.

Rev. 4.x oder 6.x?

Bei B2000-CR-Boards erkennt man die grobe Revision an der PCB-Beschriftung vorne links und an der Anzahl der DRAMs: Rev.-4-Boards haben 32 DRAMs, Rev.-6-Boards nur 8.

Genaue Revision suchen

Bei Rev.-4.x-Boards steht die genaue Revision am Ende der PCB-Beschriftung vorne links. Bei Rev.-6.x-Boards steht dort nur „Rev. 6“; die genaue Unterrevision steht normalerweise auf einem weißen Aufkleber hinten links.

Rev.-6-Aufkleber fehlt?

Fehlt der weiße Aufkleber bei einem Rev.-6-Board, ist es entweder Rev. 6.0 oder der Aufkleber ist abgegangen. Dann helfen die Veränderungen in der Tabelle unten, um die genaue Rev.-6-Version einzugrenzen.

Akku

Bei allen alten Amigas gilt: Akku prüfen, ausbauen und ausgelaufene Lauge neutralisieren. Selbst wenn ein Rechner noch startet, kann der Schaden gerade aktiv weitergehen. Besser heute als morgen.

Typisches Beispiel: ein Rev.-6-Board, bei dem der Varta-Akku unten in der Mitte bereits ausgelaufen ist und den Bereich um Akku, Leiterbahnen und Bauteile sichtbar angegriffen hat.

Namen

Viele Bezeichnungen, aber im Kern dieselbe Rechnerfamilie. Man kann sich solche Varianten grundsätzlich auch selbst aus einem A2000 zusammenstellen.

A1500
Im Wesentlichen ein Amiga 2000 mit serienmäßig zweitem Diskettenlaufwerk.
A2000

Das Basissystem: Gehäuse, Netzteil, Hauptplatine und Erweiterungssteckplätze. Beim Frontetikett gibt es verschiedene Schreibweisen. Braunschweiger und frühe B2000 Rev.-4.x-Modelle tragen oft das schlichtere „AMIGA 2000“-Etikett; spätere Modelle verwenden die Variante mit großem „2000“-Schriftzug.

A2000 HD

Amiga 2000 mit Commodore-2090-Controller und Festplatte.

A2500

Amiga 2000 mit A2620- oder A2630-CPU-Karte und A2091-Controller. Beschriftet wurde er unter anderem als Amiga 2500/20, Amiga 2500/30 oder schlicht Amiga 2500.

A2500/UX
Zusätzlich mit Bandlaufwerk und dem Unix-Derivat AMIX ausgeliefert. Der Rest ist weiterhin Amiga-2000-Familie.

A2000 ("Braunschweiger")

Die erste verkaufte A2000-Version basiert auf dem Ur-Amiga dem Model Amiga 1000.

Einordnung

Die erste verkaufte Version des Amiga 2000 wird heute oft „Braunschweiger“ genannt. Sie entstand in Braunschweig und basiert auf einem erweiterten Amiga 1000. Parallel und weitgehend unabhängig entstand bei Commodore in den USA der vor allem kostenreduzierte Amiga 500.

Nachdem der Verkauf des A2000 angelaufen war, zeigten sich Designprobleme und hohe Produktionskosten. Commodore baute deshalb einen neuen Amiga 2000 auf Basis des Amiga 500. Diese spätere CR-Version enthält zusätzlich den Custom Chip Buster, der viele einzelne Bausteine des frühen A2000 ersetzt und den Rechner deutlich vereinfacht.

Erkennen

Von außen erkennt man Braunschweiger A2000 sehr leicht: Auf der Rückseite fehlt ein Anschluss. Neben den beiden Cinch-Buchsen für Stereo-Ton sitzt bei späteren Geräten zusätzlich der gelbe Mono-Video-Cinch-Anschluss; beim Braunschweiger fehlt er.

Innen erkennt man ein deutlich anderes Board. Die Leiterbahnen haben eine auffällige türkisfarbene Farbe, die Beschriftung ist gelb. Trotz ihres Alters sind diese Rechner heute oft in erstaunlich gutem Zustand, weil der dort verbaute Akku beim Auslaufen tendenziell weniger Schaden anrichtet als bei vielen späteren Boards.

Auf Braunschweiger A2000-Boards steht ebenfalls „Rev. 4“. Das ist aber die Revision dieses frühen A2000-Boards und hat nichts mit der späteren B2000-CR-Revision 4.x zu tun. Bei den Braunschweigern steht „Rev. 4“ auf allen mir bekannten A2000-Boards.

RAM-Karte

Braunschweiger A2000 haben ab Werk 1 MB RAM: 512 KB direkt auf dem Board und weitere 512 KB auf einer RAM-Karte im CPU-Slot. Diese Karte fehlt heute bei angebotenen Rechnern recht häufig. Der Computer läuft dann zwar, ist aber nicht vollständig und hat nur den halben Speicher.

B2000-CR

Alle späteren Revisionen basieren auf der kostenreduzierten A500-Architektur.

Rev. 4 oder 6?

Die grobe Revision erkennt man bei B2000-CR-Boards sowohl an der PCB-Beschriftung vorne links als auch an der Anzahl der DRAMs. Der RAM sitzt bei allen Amiga-2000-Modellen vorne rechts unter dem Floppy-Laufwerk; bei den B2000-CR-Boards lassen sich dort die zwei großen Gruppen besonders einfach unterscheiden.

Rev.-4-Boards haben dort 32 DRAMs. Rev.-6-Boards haben dort nur noch 8 DRAMs.

Bei allen meinen Amiga-2000-Systemen konnte ich Rev.-4- und Rev.-6-Modelle außerdem von außen an den Farben der Cinch-Buchsen unterscheiden: Rev.-4-Geräte hatten rot, weiß und gelb; Rev.-6-Geräte hatten schwarz, weiß und gelb.

Revision 4

Bei Rev. 4 steht die genaue Revision direkt am Ende des PCB-Aufdrucks vorne links.

Allgemein

Gut belegt sind Rev. 4.1, 4.2, 4.3, 4.4 und 4.5. Rev. 4.0 ist sehr selten und möglicherweise eine Vorserie oder frühe Übergangsversion. Man erkennt die 4er Serie generell an der Beschriftung auf dem Board. Wichtig: Viele Änderungen innerhalb der 4er Serie sind kleine Hardwarekorrekturen, die auch später von Bastlern nachgerüstet wurden. Die aufgedruckte Revision muss deshalb nicht immer exakt dem tatsächlichen heutigen Zustand entsprechen.

Rev. 4.0
Es gibt Berichte, dass diese Revision nie regulär verkauft worden sei. Ich habe jedoch selbst eine Rev. 4.0. Man erkennt sie an „B2000-CR Rev 4“ auf dem Board und zumindest bei meinem Exemplar an einem nachträglich angebrachten Kabel unter der Platine, das eine fehlende Leitung ersetzt. Möglich ist, dass Commodore solche Boards direkt im Werk korrigiert und dann verkauft hat. Ebenso denkbar ist, dass solche Systeme intern von Commodore-Mitarbeitern genutzt und für den eigenen Gebrauch korrigiert wurden. Heute können solche Rechner natürlich über eBay oder Kleinanzeigen wieder auftauchen, ohne dass noch jemand weiß, dass es sich um solche internen oder frühen Versionen handelt.
Rev. 4.1

Enthält den Fix der Rev. 4.0 bereits ab Werk: Das Strobe-Signal des Video-Connectors wird auf die Erweiterung des internen Video-Ports gelegt. Konkret wird U300 Pin 18 mit CN203 Pin 36 verbunden.

Rev. 4.2
Einige unnötige Filter-Kondensatoren wurden entfernt. Diese konnten bei bestimmten HITEK-Tastaturen dazu führen, dass das erste Zeichen verschluckt wurde. Das ist besonders unangenehm bei passwortgeschützten Systemen.
Rev. 4.3
Ein neuer 470-Ohm-Pull-Up-Widerstand R1000 wurde ergänzt. Man findet ihn vorne rechts; bei genauer Betrachtung fällt eine etwas andere Schriftart im Druck auf. Diese Änderung ist für den Betrieb einer Commodore A2620 Turbokarte erforderlich. Ab dieser Version ist Gary von MOS und nicht mehr von Toshiba.
Rev. 4.4

Diverse Änderungen an der Verdrahtung der Uhr-Leitungen. Hintergrund war offenbar Rauschen auf diesen Leitungen.

Rev. 4.5
Zusätzlicher Widerstand zwischen Pin 20 und Pin 11 des Bus-Transceivers auf Steckplatz U605.
Rev. 5.0?
Eine Rev. 5.0 hat es intern wohl auch gegeben. Dabei wurde offenbar nur das DRAM-Layout geändert; in the wild habe ich eine solche Revision aber noch nie gesehen.

Revision 6

Neue DRAMs, später ECS-Bausteine und nicht immer eine eindeutige Board-Beschriftung.

Allgemein

Bei der 6er Version wurden neue DRAMs verbaut: statt 256K x 1-Bit-Bausteinen nutzt das Board 256K x 4-Bit-Bausteine. Außerdem wurde Agnus aktualisiert.

Bei Rev.-6-Boards kann man sich für die genaue Unterrevision nicht allein auf den PCB-Aufdruck verlassen. Vorne links steht dort nur „Rev. 6“; die genaue Unterrevision steht normalerweise auf einem weißen Aufkleber hinten links. Dieser Aufkleber kann fehlen oder sich gelöst haben.

Rev. 6.0

Nutzt neben den neuen DRAMs den Agnus 8372. Die 4er Revisionen sind dagegen ab Werk mit Agnus 8371 ausgestattet, wobei ein 8372 mit Board-Modifikationen nachrüstbar ist.

So sieht ein B2000-CR Rev.-6-Board heute oft aus, wenn man einen Amiga 2000 aufschraubt: staubig, mit ausgelaufenem Akku und nur „Rev. 6“ im PCB-Aufdruck.

Das zweite Beispiel zeigt ein anderes Rev.-6.0-Board mit repariertem Akkuschaden und mehreren nachträglichen beziehungsweise werksseitigen Besonderheiten. In Rot ist eine nachgerüstete Widerstandsänderung markiert, wie sie später bei Rev. 6.2 ab Werk umgesetzt wurde. In Gelb sind nachgerüstete 16-Bit-Erweiterungen der ISA-Slots zu sehen; die Verdrahtung dafür ist bereits auf dem Commodore-Board vorhanden, es fehlen nur die Sockel.

Grün markiert ist der sogenannte Tokuda Tower. Dieses kleine von Commodore aufgelötete Zusatzboard findet man auf manchen, aber nicht allen Rev.-6.0-Boards. Es erlaubt den Einsatz von Static-Column-RAMs; offenbar verbaute Commodore solche RAMs zeitweise und brauchte dafür diesen Patch. Den Tokuda Tower findet man übrigens auch in einigen Amiga-500-Modellen.

Rev. 6.1
Wieder wurden Störungen beziehungsweise Rauschen an der Uhr beseitigt.
Rev. 6.2

Diverse kleinere Änderungen am Board. Auch bei Rev.-6.2-Boards steht im PCB-Aufdruck weiterhin nur „Rev. 6“; die genaue Unterrevision erkennt man erst an einem weißen Aufkleber. Diese Aufkleber können unterschiedlich aussehen, und auch der gelbe Aufkleber sitzt nicht immer an derselben Stelle.

Das erste Beispiel zeigt ein sehr schönes, gereinigtes Board ohne Akkuschaden, weil der Akku schon vor Jahren entfernt wurde. Das zweite Gesamtbild zeigt ein anderes Rev.-6.2-Board mit behobenem moderatem Akkuschaden; dort sitzt der gelbe Aufkleber ganz weit rechts, während der Rev.-6-PCB-Aufdruck unten im üblichen Beschriftungsbereich zu sehen ist.

Unter anderem wurden zwei Widerstandsarrays verschoben. Bei Rev. 6.0 und 6.1 saßen sie links und rechts neben der CPU; die Vias dafür sind noch sichtbar. Bei Rev. 6.2 sitzen die Arrays weiter rechts direkt an den 74245-ICs.

Rev. 6.3
Ab Rev. 6.3 wurde Kickstart 2.04 ausgeliefert; frühere B2000-CR-Boards findet man mit Kickstart 1.2 oder 1.3. Außerdem wurde die ECS Denise 8373 verbaut.
Rev. 6.4
Auch Agnus wurde aktualisiert, bei Rev. 6.4 auf 8375. Die ECS Denise ist 8373. Außerdem wurde R101 durch einen Kondensator ersetzt.

Beispiel: Rev. 4.4

Restaurierung eines A2000-Boards mit Akkuschaden und sichtbarer Rev.-4.4-Beschriftung.

Beispiel: Rev. 4.1

Restaurierung eines frühen A2000-Boards mit Rev.-4.1-Beschriftung.